Rechnitz (Der W├╝rgeengel)

Elfriede Jelinek

Wiener Festwochen 2010 - Rechnitz -  © Arno Declair

Wiener Festwochen 2010

Saison 2009/2010

Infos zur Produktion

Ein Schauspiel / München / Österreich-Premiere
von Elfriede Jelinek

INSZENIERUNG / Jossi Wieler
BÜHNE UND KOSTÜME / Anja Rabes
LICHT / Max Keller
MUSIK / Wolfgang Siuda
DRAMATURGIE / Julia Lochte

MIT Katja Bürkle, André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf, Hildegard Schmahl

In deutscher Sprache

GASTSPIEL
PRODUKTION / Münchner Kammerspiele

EINFÜHRUNG von Julia Lochte, Eintritt frei, 22., 23., 24. Mai, 19 Uhr, Theater Akzent

PUBLIKUMSGESPRÄCH 23. Mai, im Anschluss an die Vorstellung, Theater Akzent

In der Nacht vom 25. März 1945 feierten auf dem an der österreichisch-ungarischen Grenze gelegenen Schloss Rechnitz SS-Offiziere, Gestapo-Führer und einheimische Nazis ein „Gefolgschaftsfest". Gastgeberin war die Gräfin Margit von Batthyány. Während dieses Festes wurden 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter von den Partygästen ermordet, aus Laune. Gegen Mitternacht teilte Franz Podezin, NSDAP-Ortsgruppenleiter und Geliebter der Gastgeberin, Schusswaffen an zwölf Gäste aus. Drei Stunden lang wurden 180 Menschen zu Tode geprügelt oder erschossen. Die Gräfin wurde strafrechtlich nie belangt, die NS-Offiziere tauchten unter. Über das Massaker von Rechnitz wurde lange geschwiegen. Elfriede Jelinek lässt Boten aus der Geschichte von den Ereignissen sprechen. Sie sprechen aus verschiedenen Schichten eines heutigen und damaligen Bewusstseins. Sie sind die sprachliche Verfasstheit der „Banalität des Bösen", die damals wie heute in Opfern das Minderwertige sehen. Sie führen uns unangenehm den Mangel jeder Aufarbeitung vor, in der die Opfer namenlos sind. In Jossi Wielers Inszenierung werden diese Boten zuweilen mit fünf Personen der Party identifiziert: der Gräfin Batthyány, ihrem Mädchen und drei der NS-Offiziere, die in einer Vorhölle und einem Schlossvorzimmer alles noch einmal tun.

Elfriede Jelinek hatte die Aufführung dieses Stücks für Österreich verboten und nun für die Festwochen eine Ausnahme gemacht.
Jossi Wieler inszeniert für Schauspiel und Oper und wird 2011 Intendant der Stuttgarter Staatsoper.


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Bilder

  • Wiener Festwochen 2010 - Rechnitz -   © Arno Declair
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