Die besseren Wälder

Die besseren Wälder - © Archiv Theater Akzent

Eine moderne Tierparabel von Martin Baltscheit

ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis 2010

Ferdinand ist ein Wolf, der bei den Schafen aufwächst. Was ist er also? Ein Wolf im Schafspelz, ein Schaf mit Wolfsfell?

Er springt über Zäune, das tun Schafe nicht. Es ist nicht richtig. Er singt schöner als alle anderen das "Schafe Maria". So ist es richtig, das hat Tradition! Als seine Freundin tot aufgefunden wird, gerät er unter Verdacht. Ein Wolf ist und bleibt ein Wolf. Das Töten liegt ihm im Blut, das weiß man doch. Ferdinand flieht. Er flieht zu den Wölfen. Er will einer von ihnen werden. Aber die klugen Wölfe wollen verdammt gerne 'Schafe' sein: warme Heizdecken, schicke Kleider, Krankenversicherung... Dass ihr Leben hart ist, machen sie zur Tugend, zur Tradition. So ist es halt. Eine Gans, die behauptet, ein Fuchs zu sein; und ein Bär, der eine Biene ist: In der Selbstverständlichkeit, mit der sie sind, wer sie sein wollen, bleiben sie die wahrhaft Vernunftbegabten in Martin Baltscheits Stück. Denn Vieles wird heute gerne über die sogenannte "Natur" gesagt, über das "So bin ich halt". Und zu selten wird gefragt: Warum soll ich so sein? Und warum denn kann es keine Welt ohne Zäune geben mit Heizdecken für alle: 'Allen nach ihren Bedürfnissen, alle nach ihren Fähigkeiten' (Karl Marx).

Martin Baltscheit, geboren 1965 in Düsseldorf, studierte Kommunikationsdesign an der Folkwangenschule Essen. Er ist als Illustrator, Sprecher, Bilderbuch-, Prosa-, Hörspiel- und Theaterautor tätig. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Begründung der Jury des Deutschen Jugendtheaterpreises für "Die besseren Wälder"
„Es schneit. Vater, Mutter und Kind hetzen durch den Wald: "Wir laufen nicht davon, wir gehen in die besseren Wälder". Schüsse fallen. Beide Eltern werden niedergestreckt, das Kind zieht weiter voller Hoffnung auf ein besseres Leben.
Mit diesem Stück gibt Baltscheit einen wichtigen Impuls für jeden Heranwachsenden. Mit grafischer Plastizität und dramatischem Gespür hat Baltscheit eine Entwicklungsgeschichte mit vielschichtigen Deutungsmöglichkeiten geschrieben. Gekonnt kleidet der Autor Fragen nach dem „wir hier drinnen, ihr da draußen" in eine Tierparabel und würzt das Ganze mit seinem scharfen, ernsthaften Humor. Die Jury des Deutschen Jugendtheaterpreises 2010 zeichnet mit „Die besseren Wälder" eine starke und relevante Geschichte aus, die von überzeugenden Einzelschicksalen ausgehend, über das Individuelle hinausweist und sich dabei nicht vor Überzeichnung und Komik scheut."

Regie: Michaela Obertscheider, es spielen SchauspielerInnen des Ensembles Imp:Art

Termin:
Freitag, 18.1.2013, 19.00 Uhr - Österreichische Erstaufführung

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